Rauschdichten Past

RAUSCHDICHTEN RÜCKBLICK 

RAUSCHDICHTEN IMMER AM LETZTEN MONTAG DES MONATS

Montag 27.03. Rauschdichten

Die monatlich stattfindende Lesebühne im musigbistrot Bern mit Sam Hofacher, Valerio Moser und Renato Kaiser. Poetry Slam, Spoken Word, Kabarett, Improtexterei und ein Special Guest, dieses Mal:

Jule Weber aus Darmstadt!

Es ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach, aus all dem Talent, das sich in der jungen Poetry Slam Szene angesammelt hat, herauszustechen - Jule Weber tut es zweifellos. 2012 wurde sie bei den Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Heidelberg/Mannheim U20-Championesse und hat durch unzählige beeindruckende Performances und Slam-Siege zu einer der erfolgreichsten und beliebtesten Slam Poetinnen Deutschlands entwickelt.

Beginn: 20:00
 Eintritt: 15 CHF/ 10 CHF (Studenten)

Rauschdichten im Musigbistrot mit Olga Lakritz

Datum: 30. Januar 2017
Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Die monatlich stattfindende Lesebühne im Musigbistrot Bern mit Sam Hofacher, Valerio Moser und Renato Kaiser. Poetry Slam, Spoken Word, Kabarett, Improtexterei und ein Special Guest, dieses Mal:

Olga Lakritz aus Zürich/Berlin!

U20 Poetry Slam Schweizermeisterin 2015 und nicht nur deswegen eine der vielversprechendsten jungen Stimmen der deutschsprachigen Poetry Slam Szene. Kraftvoller Spoken Word mit schlauem Humor und schnörkelloser Poesie: Olga Lakritz vereint grosses Sprachgefühl mit feinem Sinn für Pointen, mit scharfem Blick für das entscheidende Detail und mit jener augenzwinkernden Leidenschaft, die Pathos zulässt, Kitsch zermalmt und so ganz nebenbei das Publikum fesselt, durcheinanderwirbelt, wieder zusammensetzt und dann in erstaunter Freude zurücklässt. Was das genau heisst? Si isch gail. Ok? Ok.

Datum: 28. November 2016

Die monatlich stattfindende Lesebühne im Musigbistrot Bern mit Sam Hofacher, Valerio Moser und Renato Kaiser. Poetry Slam, Spoken Word, Kabarett, Improtexterei und ein Special Guest, dieses Mal:

Phibi Reichling aus Zürich!

Schnellsprechanlage, Verseverdrescher und Reimriese aus Zürich. Seit genau einem Jahrzehnt einer der grossen Macher der Schweizer Poetry Slam Szene und doch scheinbar keinen Tag gealtert. Mit lausbübischem Charme, dem Aussehen eines sehr hippen Ska-Punk-Leadsängers, mit humoristischen, hintersinnigen Texten und rauschenden Performances hat er sich die Herzen des Publikums und den Respekt der Kollegen gleichermassen gesichert. Sein 10-jähriges Jubiläum versüsste er sich im April in der Roten Fabrik Zürich mit einer Best-Of-Live-Aufnahme seines bisherigen Schaffens und den Rauschdichtern und ihrem Publikum versüsst er im November mit ebensolchen Leckerbissen die Lesebühne. Freut Euch auf einen der stärksten Schweizer Slam Poeten der letzten zehn Jahre!

Montag 31.10.2016

Die monatlich stattfindende Lesebühne im Musigbistrot Bern mit Sam Hofacher, Valerio Moser und Renato Kaiser. Poetry Slam, Spoken Word, Kabarett, Improtexterei und ein Special Guest, dieses Mal:

EILMELDUNG! PATTI BASLER statt PIERRE JARAWAN!

PIERRE JARAWAN aus München musste leider krankheitshalber kurzfristig absagen. Wir bedauern das sehr, wünschen ihm von ganzem Herzen gute Besserung und hoffen, dass wir bald einen neuen Termin zusammen finden.

Patti Basler aus Baden!

Slam Poetin, Satirikerin, Kabarettistin und Powerfrau. Mit geschliffenem Mundwerk, deftigen Pointen, euphorischer Wortspielerei, scharfem Blick, harter Schale und weichem Kern wirbelt sie das Publikum gehörigdurcheinander. Das machte sie nicht nur zu einer der erfolgreichsten Slam Poetinnen der Schweiz, sondern auch zu einer der derzeit angesagtesten Kabarett-Newcomern. Zurzeit ist sie zusammen mit dem Pianisten Philipp Kuhn und dem abendfüllenden Programm “Frontalunterricht” in der ganzen Schweiz unterwegs. Diesen Sonntagabend macht sie einen spontanen Zwischenhalt beim Rauschdichten in Bern, wir sind dankbar und freuen uns!

Und es ist das fröhliche Wochenende der Absagen! Valerio Moser ist leider dieses ebenfalls Mal verhindert.

Er wird aber mehr als adäquat ersetzt, und zwar durch Hannah Reinhard!

Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Datum: 26. September 2016
GUY KRNETA aus Bern

Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten 10 CHF

Einer der aktivsten Vertreter der Schweizer Spoken Word Szene, Mitbegründer des Vereins spoken-word.ch, langjähriges Mitglied beim legendären Bühnenkollektiv „Bern ist überall“ und: Ein Hochgenuss für jeden Freund von Schweizer Mundartkunst. Mit humorvollen, hintersinnigen und poetischen Texten schafft er wie nur wenige den Spagat zwischen geschriebener und gesprochener Sprache. Nicht zuletzt deswegen wurde er 2015 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.


Datum: 27. Juni 2016
Special Guest: Jess Jochimsen aus Freiburg (D)!

Einer der herausragenden Kabarettisten, Liedermacher und Satiriker der Gegenwart. Mit ausgefeilter Sprache, mit aussergewöhnlichem Gefühl für Komik und mit grosser Leidenschaft für ernstgemeinte Satire schafft er den Spagat zwischen sehr schlau und saukomisch. Gewinner des Deutschen Kabarettpreises und des Prix Pantheon und ganz grundsätzlich ein Segen für die deutschsprachige Humorlandschaft.

Rauschdichtenjoker: Valerio Moser aus Langenthal!

Eigentlich ist das gar kein Joker, sondern unser neuer Stammdichter. Christoph Simon gibt leider leider nach mehr als sieben Jahren Rauschdichterei den Rücktritt. Wie wir das gebührend feiern, äh, betrauern überlegen wir uns noch. Bis dahin stellen wir Euch beim Juni-Rauschdichten schon mal den neuen Rauschdichter vor: Valerio Moser ist seit vielen Jahren eine der grossen Figuren der Schweizer Poetry Slam Szene, mit dem Team Interrobang (zusammen mit Manuel Diener) zweifacher Schweizer Meister und amtierender Deutschsprachiger Meister im Team Poetry Slam und ganz grundsätzlich ein fantastischer Typ. Die Rauschdichter freuen sich sehr, ihn in ihrer Mitte begrüssen zu dürfen!

Speziell: Das Juni-Rauschdichten findet je nach Witterung draussen im Garten (hinten) oder wie gewohnt drinnen statt. Falls Ihr also bei schönem Wetter ein Bierchen auf der Terrasse trinken wollt, könnt Ihr das auch bei uns tun. Einfach mit dem grossen Vorteil, dass Euch Jess Jochimsen, Valerio Moser, Sam Hofacher und Renato Kaiser begleiten. Wir freuen uns auf Euch!

Datum: 30. Mai 2016

Special Guest: Grossraumdichten aus Deutschland! Eines der besten Spoken Word Teams der deutschsprachigen Poetry Slam Geschichte. Schlau, poetisch, hochmusikalisch und mit feinem Humor. Pauline Füg aus Würzburg und Tobi Heyel aus Stuttgart: Zwei Stimmen, eine Kunst – Elektropoesie der besten Sorte. Zurzeit sind sie mit ihrem brandneuen Album „Langsamer als die Dunkelheit“ auf Tour und machen damit hocherfreulicherweise Halt bei uns, beim Rauschdichten.

Rauschdichten-Joker: Michael Frei! Aufstrebender Wortspiel-Maniac aus Thun, wohnt jetzt in Bern und auf den Poetry Slam Bühnen der ganzen Deutschschweiz. Er gewann am 10. Mai 2016 den grossen „Battle of Giants Slam“ im ausverkauften Dachstock und vertritt damit die Slamstadt Bern bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2016 in Stuttgart.

Special Guests: Remo und Remo aus Bern!

Zwei mal Remo! Zwei Mal Slam! Zweimal Rampensäue aus Bern! Die Rauschdichter holen sich eine geballte Ladung Schweizer Vornamen mit grosser Bühnenwucht ins Haus. Remo Rickenbacher und Remo Zumstein gehören schon seit Jahren zu den prägenden Figuren der Schweizer Poetry Slam Szene und begeistern mit innovativer Bühnenpoesie.

Remo Rickenbacher

Der Bühnenberserker aus Thun flüstert, zischt und schreit dem Publikum seine kleinen Slam-Dramulette entgegen, als ginge es um sein Leben. Dabei macht er weder Halt vor unbequemen Themen noch vor irrwitzigen Ausflügen in die Absurdität. Er ist das Slam-Original aus Thun, moderiert dort den legendären Mokka-Slam und ist einer der treibenden Kräfte in der Schweiz, was die Förderung des Spoken Word Nachwuchs angeht – und ganz nebenbei Gewinner unzähliger Poetry Slams in der ganzen Schweiz.

Remo Zumstein

https://www.youtube.com/watch?v=SJNS77w0Xdk&feature=youtu.be

Dieser aussergewöhnliche Spoken Word Virtuose aus Schliern bei Köniz ist der zurzeit beste Schweizer Slam Poet. So darf man sich schliesslich nennen, wenn man, wie er, die Schweizer Poetry Slam Meisterschaften gewonnen hat. Oder wenn man, wie wir, mit banalen Titeln die Werbetrommel rühren will. Und das wollen wir! Und mehr als das! Dieser Mann ist nicht nur Schweizer Meister und Poetry Slam Seriensieger, sondern vor allem ein hochtalentierter Wortspieler, Verslischmied und Geschichtenerzähler, der das Publikum höchst verlässlich zum Toben bringt.

 

Datum: 28. März 2016

Special Guest: Noah Klaus

Noah Klaus aus Berlin! Einer der vielversprechendsten Poetry Slam Talente des deutschsprachigen Raums! Der weiss, wo die wirklich schönen Pointen sind, der benutzt sein Gehirn ziemlich fleissig, der beherrscht den Tanz auf der Rasierklinge der Satire einwandfrei, stets mit dem nötigen Respekt, aber nie mit Angst. Zumindest sieht man sie seinem Schlitzohrengesicht nicht an! Er ist schlau, lustig, unkonventionell, überraschend, bringt das Publikum gleichzeitig zum Grübeln und zum Toben und ist ausserdem Berlin-Brandenburg-Meister im Poetry Slam 2014. Weitere Titel werden folgen. Ichschwör.

Kein Rauschdichtenjoker! Dieses Mal brauchen wir keinen Joker, denn: Pünktlich zum Oster-Special ist unser Stammrauschdichter und zweimalige Poetry Slam Schweizer Meister Christoph Simon aus Bern wieder mit dabei.

 


Datum: 
29. Februar 2016

Special Guest: GREIS aus Bern! Lebende Schweizer Rap Legende und Spoken Word Ausnahmekönner. Unnachahmlich geschmeidiger Flow gepaart mit grossem Sprachgefühl, Hang zum Pathos gepaart mit feinem Sinn für Humor und das alles ummantelt von herausragender Musikalität, kurz: Rap Poetry auf höchstem Niveau.

Rauschdichten-Joker: Remo Zumstein! Vize-Schweizer-Meister im Poetryslam 2015 und herausragender Wortspieler, Verslischmied und Geschichtenerzähler aus Burgdorf.

Datum: 25. Januar 2015

Special Guest: Marvin Suckut aus Konstanz! Poetry Slam Seriensieger und humorvoller Storyteller. Einer der vielversprechendsten Vertreter der neueren Poetry Slam Generation, verbindet die grossen Themen des Leben mit wilden Absurditäten aus seinem Kopf und bringt das alles mit grosser erzählerisches Lust auf die Bühne. Diese charmante Bühnenkanone steht zu Recht in der grossen Tradition der Konstanzer Poetry Slam Geschichte.

Rauschdichten-Joker: Raphael Reift aus Bern! Ein stiller Mann mit grossem Geist - Kluge Lyrik mit feinem Humor.

2015

November

Special Guest: Uta Köbernick aus Zürich! Liedermacherin, Kabarettistin und Dichterin, unter anderem Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises (Förderpreis). Feinsinnige Komik, kritischer Geist, schlaue Sprachspielerei und schonungslose Satire verpackt in herausragende Kurzgedichte, Reden, Geschichten und Lieder.

Rauschdichten-Joker: Alain Wafelmann! Ein kluger, herzlicher, humor- und gefühlvoller Lyriker aus Bern.

 

Oktober
Special Guest: Richi Küttel aus St. Gallen! 
Einer der besten Mundartpoeten der Schweiz, alter Poetry Slam Hase, einer der Schätze der Szene. Rasantes Storytelling mit Witz, mit Esprit, mit unaufdringlicher Intelligenz, mit spürbarer Liebe für die Mundart und mit einem wirklich ansehnlichen Bart.

Rauschdichten-Joker: Remo Rickenbacher aus Thun! Wildgewordene Spoken Word Bühnenkanone und Mitglied der zu Recht vielbeachteten Thuner Lesebühne „Thun ist nirgends“

Am kommenden Montag, 26. Oktober, steht das nächste Rauschdichten vor der Tür, dieses Mal mit Sam Hofacher und mir, Renato Kaiser. Dieses samtweiche Duett aus bundesstadtblasser Bleichgesichtigkeit mit in Leben gegerbtem, kernig-sonnigem Gemüt ausgleichen wird unser Special Guest:

Richi Küttel aus St. Gallen!

„Kommt schon", würde der eine oder andere moderate Geist zu uns sagen. „Ihr seid doch gar nicht so samtweich“. Und ich würde antworten, oh doch, mein Lieber, oh doch! Und das meine ich gar nicht negativ! Die Gesichtshaut von Sam Hofacher ist weich wie ein Babyfüdli, ja! Nur mit dem Unterschied, dass das, was am Babyfüdli sonst noch so dranhängt, total niedlich ist. Und dass man das Baby in den Arm nehmen und festhalten will, weil man das toll findet, während man es bei Sam Hofacher höchstens tut, weil man befürchtet, er würde den nächsten Winter nicht überstehen. Und das meine ich gar nicht böse, ich fühle mit ihm. Auch ich bin samtweich. Ich habe mir letzten Winter einen Gefrierbrand geholt, weil ich bei einer Schneeballschlacht den Schneeball zu lange in der Hand gehalten habe. Mit Handschuh! Es passiert so schnell…

Während sich also andere bereits auf die kalte Jahreszeit freuen, mit Schlitteln und Skifahren und Weihnachtsmarktflaniererei, strecken Sam und ich ängstlich die Nase in die Winterbise, zucken zurück wie Schnecken, denen man die Fühler anstupst, verkriechen uns wieder in unsere Häuschen, wärmen unsere Studentenhände an unseren heissgelaufenen Laptoprechnern und warten auf ein Zeitalter, in dem die noble Blässe wieder zur Noblesse erkoren wird.

Weil das aber noch einige Jahrzehnte dauern wird, haben wir uns als Gast einen Mann eingeladen, der unsere monitorgebleichten Geisterfratzen in den heissgeliebten Schatten stellen wird. Natürlich haben wir Richi Küttel nicht nur wegen seines Ostschweizer Sonnenhanggesichts und seiner gesunden Haut eingeladen, das wäre ja lächerlich, sondern auch wegen seines Barts. Ein Prachtsexemplar von Gesichtsbehaarung, kann ich Euch sagen. Aber nicht so, wie die Hipster und Hipsterkenner unter Euch gerade denken, denn ich weiss: Der Vollbart ist für den modebewussten Mann von heute so etwas wie die Handtasche für die Frau. Er ist sein ganzer Stolz, beim Küssen immer im Weg und dermassen überdimensional gross, dass man kaum mehr findet, was man einmal reingesteckt hat: Essensreste, Zigaretten, Handys, Ladekabel, Rechnungen, Wahlzettel, kleinere Haustiere, Rasierapparat, etc. Aber eben: Bei Richi Küttel hat das mit Mode nichts zu tun. Dieser Mann trug Vollbart, noch Jahre bevor weltweit die Hipster sich mit ihren Salafistenfusseln die Brusttätowierungen wundgerieben haben. Wer wie Richi Küttel seine Wurzeln im Appenzellerland hat, weiss: Ein Vollbart ist nur insofern Teil eines Lifestyles, als dass man an ihm notfalls von einem Rettungshund aus der Lawine gezogen werden kann. Dieser Bart ist kein Accessoire, dieser Bart ist ein Werkzeug! Wie oft schon stand ich weinend und mit zerfledderter Stahlwolle in der Hand vor einer verkrusteten Gratinform und wünschte mir, ich hätte einen Bart wie Richi Küttel!

Und wenn Ihr jetzt meint, ich hätte ein ungesundes, ja zwanghaftes Verhältnis zu Richi Küttels Bart, dann ist mir das egal! Der Bart von Richi Küttel ist wie seine Texte: hart und gleichzeitig weich, rauh, aber auch sanft, spitzig, aber auch rund. Sie kratzen, sie kitzeln, und zwar genau so, wie man es gerne mag. Und das, was dahinter, steckt ist die ureigene Mundart von Richi Küttel, die er so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der einzige Unterschied: Seine Texte selbst haben nie einen Bart. Sie sind originell, sie sind frisch, rasant, komisch, nachdenklich, satirisch, schlau und immer unterhaltsam.

Richi Küttel steht seit 15 Jahren auf der Bühne. Er ist eine der wichtigsten Triebfedern der Ostschweizer Kultur- und Literaturszene. Er ist mehr als nur mitverantwortlich für die prächtige Entwicklung der Schweizer Poetry Slam Szene (und das sowohl auf als auch neben der Bühne) und nicht zuletzt ist er Teil des legendären Poetry Slam Teams Appenzell Inner-Innerrhoden. Er hat im vergangenen Jahr beim Verlag „Der gesunde Menschenversand" eine Spoken Word CD mit dem Titel „Eidgenosse“ herausgegeben. Und er ist einer der besten Mundartpoeten der Schweiz. Wer mir nicht glaubt, soll sich selbst davon überzeugen, und zwar am kommenden Montag, 26. Oktober, um 20 Uhr im Musigbistrot Bern, beim Rauschdichten mit Sam Hofacher, Remo Rickenbacher, mir und unserem Special Guest Richi Küttel!

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Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Am Montag, 28. September startet die neue Rauschdichtensaison, dieses Mal nicht mit Christoph Simon, nicht mit Sam Hofacher, nur mit mir, Renato Kaiser. Was? Wie bitte? Was ist denn hier los? Erklär ich Euch gleich.
Meine numerische Einfalt mit doppelter Einzigartigkeit mathematisch und künstlerisch in unberechenbare Höhen multiplizieren werden Fatima Moumouni und Laurin Buser als das Team:

Zum goldenen Schmied:

Laurin Buser:

Bevor ich aber zu unseren schillernden Gästen komme, möchte ich rasch die schnöden Fragen klären. Erstens: Warum ist Christoph Simon nicht da? Der Grund ist simpel: Marketing. Einfachstes Marketing. Den einen hat erzählt, er sei jetzt neu ein Spoken-Word- und Kabarettsuperstar, worauf die ihn so exzessiv gebucht haben, dass er bis Winter an allen Rauschdichtenterminen besetzt ist. Und den anderen hat er weisgemacht, er sei immer noch ein ernstzunehmender Schriftsteller, dessen zarte internationale Künstlerseele im Schatten der bünzligen Bundeshauskuppel verkümmern würde, sodass die ihn wiederum ab Februar für ein sechsmonatiges Stipendium nach London geschickt haben. Das heisst: Christoph Simon wird während der ganzen Saison bis zum nächsten Sommer fast nie beim Rauschdichten dabei sein. Nur in der März-Ausgabe lässt sich der feine Herr im Musigbistrot blicken. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum lassen wir das mit uns machen? Warum verbannen wir ihn nicht ganz?

Es sind seine Augen. Ja, seine Augen. Wenn sie dir aus diesem immerjungen Lausbubengesicht mit dem verschmitzten Grinsen eines auf frischer Tat ertappten Marderjünglings wie zwei treuherzig glänzende Plüschtierknöpfe tief in deine Seele blicken, gibst du ihm alles: Auftritte, Stipendien, Deine Unschuld und eben: ver-.

Aber: Christoph Simon wird in dieser Rauschdichtensaison jeden Monat durch einen verheissungsvollen Kollegen aus der hiesigen Szene ersetzt, dieses Mal durch den nicht nur von den Rauschdichtern hochgeschätzten Langenthaler Geheimtipp: Fehmi Taner!

Und warum ist Sam Hofacher nicht da? Er ist im WK. Die Armee missbraucht seine riesenhafte Körpergrösse, indem sie ihn als mobile Funkantenne durch die Alpen stapfen lassen. Eine traurige Geschichte.

Aber weg von Christoph Simon und Sam Hofacher, weg vom Elend, hin zur Schönheit, die wir eingeladen haben, und zwar in Form des Poetry Slam Teams „Zum goldenen Schmied“. Dabei geht es aber natürlich nicht nur um äusserliche Ästhetik, aber auch. Wer beim Anblick von Laurin Buser und Fatima Moumouni nicht mit einem springbrunnigen Schweissausbruch spontan in allumfassende Glückseligkeit kollabiert, kann kein fühlender Mensch sein, aber darum geht es nicht.

Diese beiden Spoken Word Wunderkinder gehören zum Mitreissendsten, was die deutschsprachigen Poetry Slam Bühnen zur Zeit zu bieten haben. Wobei die Betonung viel mehr auf „Wunder“ als auf „Kinder“ liegt, denn Qualität kennt kein Alter und so etwas wie „Jugendbonus“ ist was für Schwächlinge und verzweifelte Kleinkunstveranstalter.

Als wäre das, was Fatima Moumouni und Laurin Buser nun schon seit Jahren als Einzelkünstler an geballter Schreib- und Sprechkunst auf die Bretter bringen,  nicht genug, haben sie sich nun zu einem Poetry Slam Team, ach was sage ich, zu einer Spoken Word Supergroup zusammengeschlossen und sind ausgezogen, der Konkurrenz das Fürchten und dem Publikum das Staunen zu lehren. Sie haben als das Team „Zum goldenen Schmied“ bei den Schweizer Poetry Slam Meisterschaften 2014 in Basel alle überrascht und dieses Jahr in Zürich noch einen draufgesetzt. Und das ist bei Weitem nicht selbstverständlich: Wenn sich zwei hervorragende Einzelkünstler zusammentun, endet das nicht automatisch im gewünschten Resultat: Plus und plus gibt manchmal Minus. Nicht so beim Team „Zum goldenen Schmied“: Fatima Moumouni und Laurin Buser sprechen, was das humoristische Timing, die gekonnte Dramatik, die rhythmische Musikalität und die spielerische Ernsthaftigkeit betrifft, auch als Soloperformer die gleiche Sprache. Als Team bringen sie das alles nun auf die nächste Stufe. Plus und Plus gibt Doppelplus mit Sternchen.

Oder um es kürzer zu sagen: Wir Rauschdichter finden die geil. Wer es nicht glaubt, kann uns nicht gestohlen bleiben (das wäre dumm von uns, Zuschauer finden wir schon gut), sondern soll sich beim Rauschdichten selbst davon überzeugen.

Fatima Moumouni:

Darum: Kommt am 28. September, 20:00 ins Musigbistrot zum Rauschdichten mit Fehmi Taner, mir und dem grossartigen Team „Zum goldenen Schmied“.


Am Montag, 29. Juni steht das nächste Rauschdichten vor der Tür, dieses Mal wieder mit den drei Rauschdichtern Christoph Simon, Sam Hofacher und mir, Renato Kaiser. Diese eidgenössische Hodendreieck mit teutonischer Weiblichkeit aufbrechen wird unser Special Guest:

Katinka Buddenkotte aus Köln!

https://www.youtube.com/watch?v=Nqm6hKJgHzc

Was habe ich dieser Frau nicht alles zu verdanken! Zum Beispiel den ersten Tinnitus meines Lebens. Vor langer langer Zeit, als Poetry Slam noch schmutzig war und ich noch Haare hatte, zu einer Zeit also, zu der Katinka Buddenkotte noch an Poetry Slams teilgenommen hat - nicht etwa weil sie eine besondere Vorliebe für meine Haare hatte, wobei ich mir von ihr jederzeit und mit dem grössten Vergnügen neckische Zöpfe oder oder auch Cornrows, die richtig coolen Kids erinnern sich noch, hätte flechten lassen - nein, sondern weil sie wunderbar zum untergrundigen, schmutzigen Poetry Slam gepasst hatte. Damit will ich weder sagen, dass Katinka Buddenkotte Dreck ist oder ungepflegt, keineswegs. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich regelmässig wäscht, aber darum geht es nicht. Es geht um das Eckige, das Kantige, das Ungeschliffene, "mee Dräck", wie es der übergeschnappte Chris von Rohr vor langer langer Zeit in einer unsäglichen und zum Glück bereits vergessenen Schweizer Castingshow aus schiefem Mund gespeit hat. Welchen Dreck der jedoch damit genau gemeint hat, bleibt schleierhaft, da er mittlerweile der Meinung ist, ein Rock'n'Roller mit Dreck sei eben einer, der auch mal  eine unbequeme Meinung vertrete, auch wenn es sich dabei um erzkonservative Weltwochen-Humbug handelt. Und darum polemisiert er auch bei jeder Gelegenheit herum, als wäre er der Göttibueb von Christoph Blocher, den er sich immer gewünscht hatte, und das ganze am liebsten, ungefragt.

Katinka Buddenkotte ist da das genaue Gegenteil, nämlich: gefragt! Ha! Sie hat nämlich nicht nur unzählige Bücher verfasst mit herzallerliebsten Titeln wie „Ich hatte sie alle“, „Nicht lecker, aber Weltrekord“, „Mit leerer Bluse spricht man nicht“ und ganz neu „Fortpflanzung nach Tagesform“, sondern auch mit Jürgen von der Lippe einen prominenten Fan und Fürsprecher. Denn bis vor einigen Jahren war es nur einem kleinen ausgewählten Kreis vorbehalten, zu wissen, dass Katinka Buddenkotte eine der lustigsten Frauen der Welt ist. Aber kaum hat Jürgen von der Lippe ihr Buch in die Kamera gehalten, draufgezeigt und gesagt: "Kaufen Sie das", haben die Menschen die Buchläden eingerannt, sich dumm und dämlich gekauft und Katinka Buddenkotte ist seit damals reich und muss nie mehr arbeiten.

Das ist natürlich Quatsch. Katinka Buddenkotte hat noch nie wirklich gearbeitet. Aber jetzt kriegt sie Geld dafür. Ha! Nein, das ist auch Quatsch. Nicht Quatsch ist aber, dass Katinka Buddenkotte immer schon so geschrieben hat, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Und ob dieser Wuchs nun Jürgen von der Lippe gefällt oder mir oder wem auch immer ist eigentlich egal. Katinka Buddenkotte, macht, worauf sie Lust hat, nämlich ganz einfach tolle Texte schreiben, und damit ist sie gut gefahren.

Zum Beispiel nach Bern. Ha! Denn offensichtlich hatte sie Lust zum Rauschdichten zu kommen und das freut mich sehr! Auch, weil ich ihr so viel zu verdanken habe! Zum Beispiel eben den ersten Tinnitus meines Lebens. Also eigentlich nur das. Dafür war es ein besonders schöner. Vor langer Zeit, nach einem Auftritt in Köln, lud sie mich in einen uralten Punkschuppen namens Sonic Ballroom ein, um noch ein wenig zu feiern. "Ein wenig feiern" hiess dann ganz viel Bier trinken (und Schnäpse, an deren Namen ich mich bereits zwischen dem ersten und den zweiten nicht mehr erinnern konnte), zur Musik einer ungarischen Punk-Band namens Aurora, bestehend aus kleinen, breiten, vom Leben zusammengestauchten Altpunks ("guck mal, wie modern! Die sind 16:9!"), Pogo tanzen, schwitzen, dann völlig fertig aus dem Laden taumeln und niemanden mehr richtig hören, was aber nicht schlimm war, weil zu dem Zeitpunkt auch keiner mehr richtig sehen, geschweige denn sprechen konnte.

Am nächsten Morgen, als mich vermeintlich die monotonste Pfeife unter Morgengezwitscher weckte, sozusagen der Indie-Rock-Bass-Spieler unter den Vögeln, eben der Tinnitus, fühlte ich mich selig und elend zugleich, oder um es mit einem Zitat aus Buddenkottes Buch "Betreutes Trinken" zu sagen: "'Hasch mich, ich bin der Frühling', kann ich noch denken, bevor ich vor der Kloschüssel in die Knie gehe".

So, genug Dreck jetzt, die Zeiten sind längst vorbei, ich trinke nicht mehr, Haare habe ich auch keine mehr - ich frage mich gerade, ob das in einem direkten Zusammenhang steht, wahrscheinlich schon - und wir sind hier nicht im versifften Sonic Ballroom sondern eben im gemütlichen Musigbistrot in Bern. Mal schauen, wie viel Dreck Katinka Buddenkotte in unser trautes Heim bringen wird. Vielleicht beschenkt Sie Sam Hofacher mit einem Tinnitus, vielleicht bringt sie Christoph Simon dazu, zu Punkrock auf den Tischen zu tanzen und vielleicht knöpft sie mir Cornrows in die Beinhaare, wir wissen es nicht! Auf jeden Fall wird Sie uns beglücken mit scharfzüngigen Beobachtungen, überraschenden Pointen und mitreissender Erzähllust, mit viel Hirn, mit viel Herz und wahrscheinlich auch mit ein klein wenig Dreck

 25.Mai. 2015

Am Montag, 25. Mai steht das nächste Rauschdichten vor der Tür. Dieses Mal mit den beiden Rauschdichtern: Sam Hofacher und Christoph Simon und ohne mich, Renato Kaiser. Meine  Abwesenheit, aber auch die Anwesenheit der anderen beiden vergessen machen wird unser grossartiger Special Guest:

Matze B. aus Konstanz!

Aber bevor wir zu ihm kommen, erstmal noch zum Zweitwichtigsten: Ja, ich, Renato Kaiser, werde an diesem Rauschdichten nicht dabei sein. Aber bitte, bleiben Sie ruhig, rasten Sie nicht aus, nehmen Sie das Messer aus der Hand, hören Sie auf, diesen unschuldigen Mann abzulecken, legen Sie das Kaninchenbaby wieder hin und was auch immer Sie damit vorhatten, tun Sie es nicht! Sie müssen jetzt stark sein. Denn es geht noch weiter, halten Sie sich fest (nein, nicht an der Kehle dieses Pudelwelpen, was ist los mit Ihnen?). Nicht nur ist Renato Kaiser nicht da, nein. Christoph Simon und Sam Hofacher SIND da. Ja, ich sehe es in Ihren aufgerissenen Augen, Mündern und Zyankalikapseln: es ist schrecklich. Ich weiss nicht, was von alledem mir mehr leid tun würde, wenn, tja jahaaa, wenn da nicht unser Special Guest des Abends all das wieder wettmachen würde.

Matze B. steht für all das, was Poetry Slam zu dem wohl erfolgreichsten Literaturformat der jüngeren Vergangenheit gemacht hat, ohne dabei je seine Stimme, seinen eigenen Ton verloren zu haben. Anarchistischer Humor und unaufgeregte Philosophie trifft auf geschliffene Sprache, trifft auf raffiniertes Storytelling, trifft auf mehrsilbige Reimkaskaden, auf die Bühne geschmissen mit Geschrei und Gebrüll, aber auch mit flüsternder Stimme und schelmisch wissendem Blick. Das alles zusammen ergibt eine explosive Mischung mit dem Besten aus Beat, Punk und Hip Hop.

Mit alledem war er stilbildend und prägend für ganze Poetry Slam Generationen. Als Matze B. in den Undergroundkellern der Nation den Schweiss von den Decken hat tropfen lassen, waren die Slamstars von heute noch feucht hinter den Ohren, hatten kein Internet, keine Homepage, keine youtube-clicks und kein "gefällt mir", und wenn, dann nur von Mama und das auch nur, wenn Mama Matze B. noch nicht kannte.

Oder besser gesagt: Noch fünfzehn Jahre bevor Julia Engelmann fünf Minuten lang "Yolo" sagen konnte, hatte sich Matze B. bereits literarisch "Carpe Diem" über den Steiss tättowiert.

Am Montag, 27. April

Tino Bomelino aus Stuttgart!

Ein Gast, über dessen Kommen ich mich nur schon wegen seines Namens freue: Tino Bomelino. Denn schon seit längerem nutze ich jede mögliche und unmögliche Gelegenheit, ein –lino an irgendwelche Wörter zu hängen. Aber verurteilen Sie mich nicht! Jeder hat seine Zwänge! Die einen vermeiden es, auf Steinplattenböden die Fugen zu betreten, die anderen zählen Strassenlaternen, wieder andere benutzen auf whatsapp immer ein weinendes Smiley, anstatt zu sagen, dass es ihnen schlecht geht und ganz hoffnungslose Fälle meinen, unter 20-Minuten-Online-Artikeln Kommentare abgeben zu müssen, obwohl sie nämlich eigentlich gar nicht wirklich müssen!

Wie ich zu meinem Zwang gekommen bin? Nun: Paradoxerweise mit einer Abkehr vom Kindlichen. Ich habe mich vor einiger Zeit darüber aufgeregt, dass junge Menschen oft ein „-i“ anhängen. „Brudi“ zum Beispiel oder „tschuldi“. Das fand ich völlig daneben. Wenn ich jemanden meinen Bruder nennen und damit auf unsere starke, mächtige, ein bisschen homoerotische, aber vor allem obermännliche freundschaftliche Bande hinweisen will, dann sag ich nicht Brudi! Sondern Bruder! Oder höchstens...  Brudo. Ja: Brudo! „O-Endung it shall be“ sagte ich mir und bekämpfte von da an jede neumodische i-Endung mit einem donnernden „o“! Brudi? Brudo! Sichi? Sichooo! Tschuldi? Tschuldoooo! Je länger ich das machte, musste ich aber zugeben, dass die o-Endung sogar noch ein klein wenig beschränkter klang. Aber: Zur „i-Endung“ zurückkrebsen und damit gegenüber unzähligen verpickelten Hipsterteenagern meine Niederlage eingestehen? Niemals! Und zur ursprünglichen korrekten Sprache zurückkehren konnte ich ebenfalls nicht, hatte ich doch schon am süssen Nektar der trendsetzenden Sprachverstümmelung genuckelt. Ich konnte nicht mehr zurück. Also setzte ich mich mit meinen Rauschdichtos zusammen, wir schlossen uns monatelang ein um daran zu arbeiten und kamen schlussendlich auf die perfekte Endung, eben: „-lino“. Die kindlich-kitzelnde Behaglichkeit des „-i“ wird dabei zwar genutzt, aber nur als Startrampe um über die neutral-geschmeidige „n“-Brücke rasch zum warmen, kehligen „o“ zu gelangen, was schlussendlich jedes Wort zu einer infantil-männlich-geschmeidigen Sensation aus Inhalt und Laut macht. Brudolino. Sicholino. Tschuldolino. Ich sage es noch einmal. Tschul. Do. Lino.

Wunderschön.

Und wunderschön ist es deswegen, dass unser diesmaliger Special Guest Tino Bomelino heisst. Im Vornamen zeigt er bereits, dass er ein Brudo im Geiste ist. Tino. Nicht Tini, wie ihn die dummen Kinder in der Schule früher immer genannt hatten, nein. Tino. Aber er ahnte da bereits: Eine o-Endung reicht vielleicht, um sich auf dem Schulhof einen Namen zu machen. Aber für den internationalen Durchbruch musste mehr her. Auch er erkannte die Macht des „-lino“, nannte sich darum Tino Bomelino und zack: schon ist er in der Schweiz!

Aber natürlolino haben wir ihn nicht nur wegen des Namolinos eingeladen. Neinolino. Tino Bomelino ist eine der grössten Neuentdeckolinos auf deutschsprachigen Bühnolinos. Ausgerüstet mit Instrumentolinos, einem Loopgerätolino und natürlich seinen Textolinos glänzt er mit kompromisslosem Humorolino, mit ausgefallenen Ideeolinos, mit perfekt getimeten Pointeolinos und seinem in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Charmeolino.

Tino Bomelino nimmt in seiner Spielwutolino keine Rücksicht auf Verlustolinos, sei es in der Musikolino, im Humorolino oder in seinem Schaffolino ganz allgemein. Und das macht ihn zu einem der ungewöhnlichsten, innovativsten und herausragendsten Geistolinos der deutschsprachigen Bühnenszenolino.

Die Rauschdichtolinos freuen sich über sein Kommolino und auf Euch! Kommt vorbei, am 27. April, 20 Uhr im Musigbistrot Bern.

 

Ach ja, übrigens. Christoph Simon hat seinen Schweizer Meister Titel im Poetry Slam verteidigt. Nur so nebenbei. Wer also den alten und neuen Schweizer Meistolino sehen will, soll auch kommen. Er kaut auch Autogramme in Schulterblätter, wenn man ihn nett fragt

Am Montag, 30. März
Ahne aus Berlin!

Es ist ja nicht so, dass wir es nicht versucht hätten. Kontakt aufzubauen. Uns anzunähern. Den ersten Schritt zu machen. Aber auf uns hat Gott nie reagiert. Und wir haben wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, all unsere Stärken in die Waagschale geworfen. Auch ich bin mit gutem Beispiel vorangegangen. Gut, ich bin jetzt nicht in die Kirche gegangen, das nicht, aber ich habe gehört, dass er da auch gar nicht mehr lebt. Zu hoch, zu weit, kein Feng Shui, dafür übertriebene Heizkosten. Und ja, zu Hause gebetet habe ich auch schon lange nicht mehr. Aber das ist ja auch frustrierend, weil es da keine Häkchen oder solche Zeichen gibt, die zeigen, dass er die Nachricht erhalten und gelesen hat. Und klar, Gott ist ja auch auf Facebook, aber dort müsste ich ihn zuerst liken und das will ich nicht tun, bevor ich ihn richtig kennengelernt habe. Aber: Ich habe Gott von Anfang an in den Newsletter vom Rauschdichten getan. Der Ball liegt also klar bei ihm. Des weiteren haben wir einmal Christoph Simon losgeschickt, der hat es aber nur bis knapp über die Strasse geschafft und ist bei Scientology gelandet. Nach mehreren Wochen Funkstille ist er zurückgekommen, seine Texte waren auf einmal unterhaltsam und lustig, er hat sie auswendig vorgetragen und ab und zu sogar Zuschauern direkt in die Augen geschaut. Klarer Fall von Gehirnwäsche, Christoph war raus. Dann fragte ich Sam, ob er was machen könnte, da er sich ja als babylonischer Turm unter den Menschen fast auf Augenhöhe mit Gott befinde. Er fühlte sich dabei aber wieder einmal auf seinen Körper reduziert und weigerte sich. Vielleicht wollte Sam Hofacher aber auch, als überzeugter Geisteswissenschaftler, einfach nicht aufstehen.

Aus all diesen Gründen haben wir den letzten Strohhalm ergriffen und den Mann eingeladen, der direkten Kontakt zu unserem Schöpfer pflegt, nämlich Ahne aus Berlin. Im Gegensatz zu mehr oder weniger bekannten Sprachrohren in die übersinnliche Welt, die in Fasnachtskleidern Jahr für Jahr Weltuntergänge prophezeien oder per Fernsehkartenspiel verlassene Seelen in den finanziellen Ruin treiben, scheint Ahne jedoch ein eher unaufgeregter Zeitgenosse zu sein. Wer sich seine Homepage anschaut, erfährt: "Ahne ist ein Mensch. Er ist da, weil er geboren wurde und noch nicht gestorben ist.“ Und weil er nunmal da ist, schreibt er wunderbare Bücher, seien es die „Zwiegespräche mit Gott“, in denen er in breitester Berliner Schnauze mit Gott über Themen wie Feierabend, Musik, den Mauerfall, Unendlichkeit und das gerollte R diskutiert, oder weitere Bücher mit klangvollen Titeln wie „Am besten was Neues“, „Gedichte, die ich mal aufgeschrieben habe“ und „Wieder kein Roman“. Kluger Humor trifft auf unaufgeregte Lebensweisheiten und grossstädtische Gelassenheit, sowohl in seinen Büchern als auch in seiner Biographie: „Ahne hasst Menschen, die überall mitmachen und er liebt Musik, die man nicht ständig hört“. Wäre ich Gott, ich würde auch gerne mit Ahne reden.

 

Da Gottwerden aber total anstrengend ist, haben sich die Rauschdichter gedacht, laden sie sich Ahne einfach zu ihrer Lesebühne ein, dann können sie auch mit ihm reden. Und vor allem: ihm zuhören! Die Rauschdichter empfehlen Euch sehr, es ihnen gleich zu tun, darum kommt vorbei, am Montag, 30. März im Musigbistrot Bern!

 

Am Montag, 23. Februar um 20:00 steht das nächste Rauschdichten vor der Tür. Wie gewohnt mit den drei Rauschdichtern: Sam Hofacher, Christoph Simon, und mir, Renato Kaiser. Diese finstere Dreifaltigkeit aus inexistentem bis traurigbraunem Haarschopf mit einem blonden Hauch heiligseidigen Engelshaars gleichzeitig beschämen und beglücken wird unser fantastischer Special Guest:

Julius Fischer aus Leipzig!

Dieser Mann ist Teil eines Poetry Slam Teams. Und dabei waren sein Partner André Herrmann und er nicht nur selbstbewusst und brachial genug, sich das „Team Totale Zerstörung zu nennen, nein. Sie waren auch so unbarmherzig und gnadenlos, diese Prophezeiung in die Tat umzusetzen. Sie haben heftig zerstört. Und das sogar zweimal. Julius Fischer darf sich deshalb zweimaliger Deutschsprachiger Poetry Slam Team Champion nennen. Das ist ziemlich geil.

Und:

Dieser Mann ist Teil einer Band. Ach was sage ich „einer Band“. Er ist Teil DER Band. „The Fuck Hornisschen Orchestra heisst sie. Zusammen mit seinem kongenialen Partner Christian Meyer hat er damit die deutschsprachigen Kleinkunstbühnen im Sturm erobert, dank Songs mit Titeln wie „Bahndammbrandmann“, „Wir weinen am liebsten im Sitzen oder „Hoffnung 3000“ und der besten DJ-BoBo-Parodie der Welt („Hope“). Das blieb auch vom Fernsehen nicht unbemerkt: „The Fuck Hornisschen Orchestra moderiert seit 2014 die MDR-Sendung „Comedy mit Karsten“. Julius Fischer ist also nicht nur im Fernsehen, sondern dazu auch noch Sänger, Gitarrist und Pianist in einer Band, die „Fuck“ im Namen trägt. Das ist auch geil.

Und:

Dieser Mann ist Teil eines Gerichtsstreits. Sein Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure hatte letztes Jahr eine Klage des „Wanderhuren-Verlags“ Droemer Knaur am Hals, und zwar mit folgendem Argument: Leser könnten beim Anblick von Julius Fischers Buch glauben, einen echten Band der Reihe „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz vor sich zu haben. Langer Rede kurzer Sinn: Droemer Knaur haben verloren, Julius Fischer gewonnen, Dummheit null, Satire eins. Sehr geil.

Aber:

Julius Fischer ist nicht nur einfach Teil von Dingen. Julius Fischer ist ein Teil! So ein richtiges Teil! Also so ein richtiges Teil! Ein Schwergewicht! Er wiegt schwer! Also: er wiegt schwer in der Poetry Slam- und Kabarettszene. Also er wiegt nicht körperlich schwer, sondern geistig. Im geistigen Sinne dafür aber sehr körperlich, also nicht korpulent, sondern körperlich im Sinne von Muskelpaket. Ein literarisch kabarettistischer Muskelprotz, so. Mit Muskeln im Kopf zum so brillant Denken und Muskeln im Hals zum so zauberhaft Singen und Muskeln im Arm zum so schön Gitarre- und Klavierspielen und Muskeln im Auge zum so scharf Beobachten und Muskeln im Ohr zum so genau Zuhören und Intonieren und Muskeln im Herz zum so feinfühlig poetisch wahr Sein und Muskeln in den Augenlidern zum Zwinkern und Muskeln in den Händen zum Winken und Muskeln im Nacken um sich das heiligseidige Muskelhaar aus dem muskulösen Gesicht zu werfen und Muskeln in den Waden und Muskeln in den Lippen und Muskeln in den – ich schweife ab.

Kurz gesagt:

Julius Fischer gehört zu den derzeit brillantesten Köpfen auf deutschsprachigen Bühnen. Ja, der Satz wiegt schwer, aber er ist wahr. Wie Julius Fischer selbst.

Julius Fischer ist Teil von vielem, aber vor allem ist er ein Teil für sich. Ein Teil für uns. Ein Teil für die Welt! Und vor allem, am 23. Februar, an diesem Abend, ein Teil der Lesebühne Rauschdichten. Wir freuen uns sehr, kommt vorbei. 20:00 im Musigbistrot Bern.

 

 

Amina Abdulkadir aus Basel!

Wir haben Amina Abdulkadir nicht eingeladen, weil:

Sie eine Frau ist. Eine Frauenquote gibt es beim Special-Guest-Auswahlverfahren nicht. Die Rauschdichter haben ihre Political Correctness dermassen perfektioniert, dass sie mitterweile Frauen und Männer gar nicht mehr voneinander unterscheiden können. Woher ich trotzdem weiss, dass sie (siehe oben) eine Frau ist? Gute Frage, du Schlaumeier! Die Antwort lautet: Weil ich sie gefragt habe. Ha! Und einem Special Guest glaube ich alles, was es mir sagt!

Wir haben Amina Abdulkadir nicht eingeladen, weil:

Sie Veganerin ist. Denn: Ob jemand lieber Äpfel oder doch lieber Vögel isst - oder beides – solange sie von alleine tot vom Baum fallen, ist den Rauschdichtern völlig egal. Nur Fuad, unser Gastwirt hat damit noch so seine Schwierigkeiten. Das klingt dann etwa so:

„Hey Fuad, üsn Special Guest isch denn übrigens Veganerin.“

„Was saisch du?“

„Veganerin!“

„Kenn ich nicht.“

„Sie isst kei tierischi Produkt!“

„Hä?“

„Jo si isst zum Bischpil kai Flaisch!“

„Was, sie isst kein Fleisch? Hahaha! Kein Problem, dann mach ich ihr Poulet.“

Und wir haben Amina Abdulkadir nicht eingeladen, weil:

Sie hübsch ist. Oder hübsch sein soll, angeblich. Uns wurde das ja nur erzählt. Rauschdichter achten nicht auf Oberflächlichkeiten. Das ist auch dringend notwendig. Wenn wir Rauschdichter uns untereinander von unseren atemberaubenden Äusserlichkeiten blenden liessen, könnten wir ja gar nicht genug wertschätzen, wie wunderschön wir innendrin sind!

Wie gesagt: Nicht aus oben genannten Gründen haben wir Amina Abulkadir eingeladen. Eingeladen haben wir sie, weil wir ihre Texte und ihre Auftritte mögen. So einfach ist das. Sie dichtet über die Liebe und verliert dabei nie die Hoffnung. Sie schreibt über Ungerechtigkeiten, verliert dabei aber nie ihren Humor. Sie behandelt Persönliches, verliert dabei aber nie den Blick fürs Wesentliche. Und während sie all das macht, springt sie leichtfüssig von Prosa zu Lyrik, von Englisch zu Deutsch zu Schweizerdeutsch, von traurig zu lustig, von albern zu ernst und wieder zurück.

Aus all DIESEN Gründen haben wir Amina Abdulkadir eingeladen und wir sind sehr froh, dass sie zugesagt hat. Wenn Ihr da gleicher Meinung seid, wie die Rauschdichter, dann kommt vorbei, am Montag 26. Januar, Musigbistrot Bern, es lohnt sich! Und wenn Ihr die Gründe nicht so überzeugend findet... dann kommt trotzdem! Wir brauchen Euer Geld. Und ausserdem munkelt man, es sei eine ziemlich hotte Veganerin zu Gast...

RAUSCHDICHTEN RÜCKBLICK 2014

Kilian Ziegler aus Olten!

Ja gut. Eigentlich aus Trimbach, da kommt er ursprünglich her. Und ja, auf den ersten Blick wirkt es schon ein klein wenig traurig, wenn man seinen ursprünglichen Herkunftsort leugnen muss, um schlussendlich doch nur sagen zu können, man käme aus Olten. Doch, liebe Rauschdichtenfreunde, Ihr könnt Euch vorstellen: An einem Ort wie hier, mitten in Bern, wo ein Ostschweizer frei sprechen darf, ohne sich unter brennenden Wurfzwiebelkränzen wegducken zu müssen, in einem Lokal, in dem ein albanischer Gastwirt sogar Schweizer Angestellte unter sich hat, sind die üblichen Gesetze von Herkunftspolemik ausser Kraft gesetzt. Denn, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, liebes Volk: Hier im Musigbistrot kann es jeder schaffen! Solange er regelmässig Fuads Ring küsst und das Schutzgeld fristgerecht einzahlt.

Trotz alledem gehört Kilian Zieglers Lebensweg anständig aufgearbeitet. Sein Umzug war nachvollziehbar, wenn nicht sogar einigermassen gängig. Schliesslich ist er nicht der erste Trimbacher, den es in die weite Welt nach Olten zog, nein. Gerade zu alltäglich hört man auf den Strassen, bzw. Wegen, bzw. Wanderwegen, bzw. Böden Trimbachs folgenden Dialog:

"Du di jüngschte, dä hani ou scho lang nümä im Zwinger gsee, wo isch dä?"

"Dä macht grad än Uslandufenthout. Z'Outä."

"Potztüüfelholldriokawumbatumbaschnäggälochuufondüschnäfelsouämagä! Und wännn chunt er wider zrugg?"

"Nägscht Wuchä. Wäg dä Wösch."

(Solothurner Dialekt, presented by Ostschweiz Productions)

Was Leute in der Solothurner Provinz sich so erzählen, interessiert uns hier jedoch einen frisch gedüngten Trimbachacker! Wir haben keine Ahnung von Trimbach, Olten kennen wir nur von Auftritten und vom Umsteigen und finden "momol, scho schö!", aber vor allem interessiert uns dieser Kilian Ziegler und der ist beeindruckend genug:

Seit zirka sieben Jahren steht der Mann auf Bühnen, gewinnt praktisch jeden Poetry Slam, bei dem er teilnimmt, manchmal auch, wenn er nur zuschaut - einen soll er sogar von zu Hause aus gewonnen haben, per Whatsapp. 2009 erhielt er den Solothurner Werkjahrbeitrag, den höchstdotierten Förderpreis des Kantons und 2013 wurde er mit dem Anerkennungspreis der Kulturstiftung "Kurt und Barbara Alten" ausgezeichnet.

Mit seinem ersten abendfüllenden Programm mit dem grandiosen Titel "The Phantom of the Apéro - Ein Wortspielbuffet" begeisterte er zusammen mit dem Musiker Samuel Blatter das Publikum und die Medien gleichermassen, sodass ihn das Schweizer Fernsehen zu Recht zur Entdeckung der Künstlerbörse 2014 ausrief. Wer nun nach der Beschreibung meint, es erwarte ihn alberne Wortspielerei... Der hat Recht. Aber nur teilweise. Kilian Ziegler hat sich über die Jahre hinweg einen bemerkenswerten Stil erarbeitet, eine hochklassige Mischung aus Stand Up Comedy, Spoken Word und Storytelling, die schweizweit seinesgleichen sucht - und in dessen Genuss Ihr und die Rauschdichter am letzten Montag des Novembers kommen werden!

Darum tut das auch! Also kommen! Zum Rauschdichten ins Musigbistrot! Denn ob nun wegen seiner Wortspielereien übers Studentendasein, wegen der feinfühligen Geschichte über kindliche Astronauten-Sehnsüchte oder der wahnwitzigen Beschreibungen über PET-Flaschen und Alpakas - die Rauschdichter können Kilian Ziegler, von ganzem Hirn und Herzen empfehlen. Montag, 24. November, 20:00 im Musigbistrot Bern.

 

Am Montag, 27. Oktober steht das nächste Rauschdichten vor der Tür.

Andivalent aus München!

Ich gebe zu, das war jetzt alles ein bisschen dick aufgetragen. Sogar für meine Verhältnisse. Aber nachdem das letzte Mal der Poetry Slam Weltmeister Harry Baker zu Gast war, gilt es zwar, die Trophäengeilheit stufenweise abzubauen - aber eben nur stufenweise. Und ich weiss: wir alle sind zu bescheiden, um über Titel zu reden, allen voran Sam Hofacher. Er ist so bescheiden darin, dass er noch nicht einmal einen Titel hat! Er ist ein Vorbild für uns alle.

Aber trotz all der Demut, welche die Rauschdichter seit jeher auszeichnet, ist es wichtig, dem Special Guest des Abends die Honorierung zuteilkommen zu lassen, die ihm gebührt. Jedoch muss ich Euch enttäuschen: Die Ernennung zum künftigen deutschsprachigen Poetry Slam Meister gehört nicht dazu. Dies war nur ein billiger Trick, um Euch weiter an der Stange zu halten - und Sam Hofacher zu demütigen (sorgt Euch nicht, er liest diese Ankündigungen schon seit langem nicht mehr. Und selbst, wenn, würde er zum jetzigen Zeitpunkt diese Zeilen durch die Tränen hindurch ohnehin nicht mehr entziffern können. Und selbst wenn: Hallo Sam. Wir lieben Dich. Trotz allem).

 

Wie dem auch sei: Ob Andivalent in wenigen Wochen deutschsprachiger Poetry Slam Champion werden wird oder nicht, interessiert uns ein tränennasses Hofachertaschentuch. Wir haben Andivalent eingeladen, weil er geile Texte schreibt, nicht mehr und nicht weniger. Na gut, doch, eigentlich doch mehr. Es klang einfach nur toll, das zu sagen. Andivalent schafft es durch einfache Feststellungen und darauf folgend durch deren ständiges Hinterfragen und Besprechen Welten zu eröffnen, die dem Zuhörer so entfernt und doch nah sind, sodass er mal lachend, mal sinnierend, mal stutzend, aber immer erstaunt zurückbleibt. Die Tatsache, dass sich während seines Vortrages das Publikum teilweise vor Lachen wegschmeisst, scheint Andivalent dabei jeweils zwar erfreut, jedoch vielmehr überrascht zur Kenntnis zu nehmen. Wahrscheinlich, weil die Komik seiner Texte nicht nachvollziehbar und logisch in zielgerichteter Pointensuche gezüchtet, sondern unfreiwillig und unschuldig im Schosse des naiven Wissensdurstes, der scharfen Beobachtung und der philosophischen Fabulierlust geboren wird.

Oder anders ausgedrückt: Er schreibt einfach wirklich geile Texte. Und vielleicht macht ihn dass ja wirklich zum deutschsprachigen Poetry Slam Meister 2014, jaja, schon gut, wer weiss, diesdas, verschiedene Dinge, mega egal. Viel wichtiger: All das macht ihn  auf jeden Fall zu einem mehr als würdigen Special Guest beim Rauschdichten!

 


August 2014
Harry Baker aus Bristol UK!

Warum Christoph Simon dieses Mal beim Rauschdichten nicht dabei ist? Man weiss es nicht! Die einen sagen, dass er nach dem Gewinn der Schweizer Poetry Slam Meisterschaft so heftig gefeiert hätte, dass er heute noch mit einer Alka-Seltzer-Infusion im Sauerstoffzelt liege. Denn das greise Alter eines Christoph Simon hat bestimmt einige Vorteile (unter anderem diesen viel glaubwürdigeren, weil eben echten Lebensüberdruss und Weltschmerz im Vergleich mit seinen jüngeren Slam-Kollegen): Die Fähigkeit mit viel Schnaps, wenig Schlaf und einem heftigen Kater umzugehen gehört aber definitiv nicht dazu. Die anderen sagen, dass er wegen des Titels abgehoben sei, das enge Musigbistrot mit seinem kleinen Publikum als unwürdig empfinde und sich zu Grösserem bestimmt fühle. Man munkelt, dass er mit einem Auftritt bei von "Wetten, dass...?“ liebäugelt, um diese seine Lieblingssendung doch noch zu retten und als neuer Moderator zurück in goldene Zeiten zu führen. Wieder andere sagen, dass er meine Idee, einen Poetry Slam Weltmeister einzuladen, als zwar neidischen, schäbigen aber nichtsdestoweniger wirkungsvollen Versuch erachte, seinen Schweizer Meistertitel blass aussehen zu lassen. Was soll ich sagen.Alle drei Antworten sind höchstwahrscheinlich wahr. Und alle drei Antworten sind höchstwahrscheinlich von mir.

Aber noch viel wahrscheinlicher ist, dass all dies nicht so wichtig ist wie unser grossartiger Special Guest des Abends: Harry Baker! Seit seinem hier immer noch nicht oft genug erwähnten Poetry Slam Weltmeistertitel 2012 wurde der charmante Dichter von der britischen Insel regelmässig aufs europäische Festland eingeladen, unter anderem auch als Featured Artist an den Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2012 in Heidelberg/Mannheim, wo sich die breite deutschsprachige Slam-Masse erstmals von seinem überragenden Talent überzeugen durfte. Danach trafen die Einladungen offensichtlich dermassen zahlreich bei ihm ein, dass er beschloss zum Studieren nach Hannover zu ziehen. Wie bei vielen anderen Studenten auch, war dieses Studium aber nur ein Vorwand, in seinem speziellen Falle dazu, Deutschlands Herzen, Hirne und Bühnen im Sturm zu erobern. Aber nicht nur jene unseres nördlichen Nachbarn, glücklicherweise! Auf seiner Tour über unter anderem München und Wien schaut der smarte Engländer auch in der Schweiz vorbei, zur grossen Freude der Rauschdichter (zumindest der anwesenden) auch in Bern!

Wobei man auch sagen muss, dass sich dieser Anlass nahtlos in den Palmares von Harry Baker einfügt:

2010 London Slam Champion

2011 UK Slam Champion und European Slam Champion

2012 World Slam Champion

2014 Auftritt beim Rauschdichten im Musigbistrot Bern!

Nur: was hat er 2013 gemacht? Abgesehen davon, dass er sich auf den nächsten wichtigen Schritt in seiner Karriere, den heutigen Abend, vorbereitet hat, war unter anderem war er bei den Kollegen von TEDx, wie hier zu sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=cxGWGohIXiw

Und beim Norddeutschen Rundfunk, wo er sich unter anderem gefragt hat: „Wie viel Falafel ist zu viel Falafel?“

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/140616HHarryBakerFolgeFalafelParwan,harrybaker126.html

Juni 2014

Special Guest: Lea Streisand aus Berlin!

Lea Streisand!

Le-a!

Strei-sand!

...

Streisand...?

Was? Wie: kennt Ihr nicht? Hallo? Hallooo? (Um meiner Empörung den verdienten Ausdruck zu verleihen, bitte stellt Euch dieses Wort jetzt im breitesten Zürcherdialekt vor, mit einem proletenhaft-kehlig geröhrten dunklen "a") Hoallo?

Lea Streisand? Unersetzliche Stammleserin der Lesebühne "Rakete 2000"? Gründerin der Veranstaltungsreihe "Hamset nich kleina"? Essenzieller, wenn nicht sogar sinngebender Teil der Anthologie "Sex - von Spass war nie die Rede" (2008)? Mit dem bahnbrechenden Comeback in der überraschenden Fortsetzung "Sex - von Spass war nie die Rede 2" (2009)? Ein Erfolg, der direkt in die Textsammlung "Das war nicht ich, das waren die Hormone" (2010) mündete? Und abgeschlossen wurde durch das resümierend nachdenkliche "Macht Sex Spass - Ja, nein, vielleicht weiss nicht" (2012, allesamt herausgegeben vom geschätzten Kollegen Volker Surmann)? Kennt Ihr alles nicht? Ja dann habt Ihr einiges nachzuholen! Aber keine Bange: Falls Ihr wegen dieser tendenziösen Einleitung denkt, es erwarte Euch eine Therapiesitzung der Selbsthilfegruppe für sexuell frustrierte Grossstädter, kann ich Euch beruhigen. Einerseits ist mir bewusst, dass unser Publikum in sexueller Hinsicht nicht nur bis in die Haarspitzen aufgeklärt, sondern auch überdurchschnittlich aktiv ist und zudem grösstenteils in Bern wohnt. Der durchschnittliche Rauschdichten-Gast ist daher sexuell weder bedürftig noch frustriert und am allerwenigsten von allem ist er Grossstädter. Und andererseits verfügt Lea Streisand über eine weitaus beeindruckendere literarische Bandbreite als es meine gewohnt reisserische Ankündigung vermuten lässt. Sie ist seit über zehn Jahren gern gesehener Gast auf Lesebühnen, Poetry Slams und Lesungen im gesamten deutschsprachigen Raum, Kolumnistin bei Radio Eins in der Sparte Comedy, Autorin bei der Tageszeitung TAZ - unter anderem seit November 2013 mit dem Fortsetzungsroman "Der Lappen muss hoch" - und Verfasserin ihres neusten Werkes "Berlin ist eine Dorfkneipe" (2012 erschienen im Periplaneta Verlag).

Und wen das immer noch nicht beeindruckt: Das Musik-Duo "Duck Sauce" zeigte sich von der Persönlichkeit und Arbeit Streisands so begeistert, dass sie ihr ein Lied schrieben und widmeten, das in den Jahren 2010 und 2011 unter anderem in der Schweiz auf Platz eins der Charts landete.

Wie bitte? Kennt Ihr auch nicht? Doch, bestimmt kennt Ihr es. Es geht in etwa so:

"Uüüüuüüüü-üüuuuüüüü-üuuuuüüüü-üuu

Uüüüuüüüü-üüuuuüüüü-üu - Lea Streisand.

Uüüüuüüüü-üüuuuüüüü-üuuuuüüüü-üuu

Uüüüuüüüü-üüuuuüüüü-üu - Lea Streisand."

Aus all diesen Gründen empfehle ich Euch von Herzen, am Montag, 30. Juni 2014 ins Musigbistrot Bern zum Rauschdichten zu kommen. Lea Streisands Geschichten sind schlau, lustig und poetisch, mit Herz geschrieben, mit Hirn verfeinert und vorgetragen mit der zu Recht berühmten und zu Unrecht berüchtigten Berliner Schnauze - zumindest im Falle von Lea Streisand. Christoph Simon, Sam Hofacher und ich freuen uns - um den sexuellen Bogen zu schliessen - eine Siegessäule ins Höschen und begrüssen euch in der Dorfkneipe Eures Vertrauens, im Musigbistrot. Denn da - um den grossstädtischen Graben zu schliessen - steppt der Bär! Hö hö. Waisch. Bärlin. Bärn. Bärn. Bäregrabä. Bäm! Wortschpiili!

MAI 2014
Team Neurosenstolz (Björn Dunne aus Berlin und David Friedrich aus Hamburg)
- herausragende Spoken Word Texte, Geschichten und Gedichte, einzeln und zu zweit, superschlau, superstrange, supergeil.

Team Neurosenstolz: Ein Name, der dermassen förmlich darum bittet, analysiert und interpretiert zu werden, so dass ich dieser Aufforderung selbstverständlich nachkomme. Sie alle kennen bestimmt das Berliner Popduo "Rosenstolz". Dafür müssen Sie sich nicht schämen. Schliesslich kommt man ja seit einigen Jahren und nicht zuletzt wegen der stillen germanischen Invasion durch RTL Schweiz, Sat1 Schweiz, Pro7 Schweiz, MTV Schweiz und all die anderen perfiden Unterwanderungsmedien nicht umhin, zusätzlich zur hiesigen auch noch seicht-bräsige Dumpfbackenmusik aus Deutschland zu kennen. Als wären wir mit unseren Bobos und Göläs und Bliggs nicht schon restlos bedient. Sie müssen sich also nicht dafür schämen, Helene Fischer zu kennen oder Unheilig oder Silbermond oder eben Rosenstolz, keineswegs. Sie müssen sich nur dann schämen, wenn sie Facebookfreunde, die auf ihrer Pinnwand Videos, Fotos oder Zitate der betreffenden Künstler hochladen, nicht umgehend löschen, blockieren und als Spam markieren. Schliesslich ist es ein Unterschied ob Sie beispielsweise die Band Nickelback einfach nur namentlich kennen, oder ob Sie ihre CD in den Player legen, weil Sie beim Sex auf Touren kommen wollen. Wobei letzteres wiederum nach sehr stark einer Neurose klingt, auf die man nicht besonders stolz sein sollte. Ganz im Gegensatz zum Team Neurosenstolz! Björn Dunne und David Friedrich haben beeindruckende Neurosen. Unübersehbare und unüberhörbare Verhaltensstörungen. Schon von klein auf:

Sie sagten immer, das sei Liebe zur Sprache. Ihre Klassenkameraden sagten "Halt's Maul" und stopften ihre Mäuler mit Sand.

Sie sagten: "das war doch nur ironisch gemeint" und ihre Freundinnen verliessen sie.

Sie verstanden die Literatur als ein anarchisch rebellisches Mittel gegen festgefahrene Systemmodelle - und ihre Eltern gaben sie zur Adoption frei.

Und so wanderten sie jeder für sich, ziellos, unverstanden und von der Gesellschaft ausgestossen durch die finsteren Gassen Deutschlands, "atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht" (wie gesagt: fühlen sie sich nicht schuldig. Nur schmutzig) bis sie irgendwann, endlich aufeinandertrafen.

Und irgendwo aus einem weit enfernten Schützenhaus sang ein betrunkener Fussballhooligan:

"Atemlos, schwindelfrei, großes Kino für uns zwei

Wir sind heute ewig, tausend Glücksgefühle

Alles was ich bin, teil' ich mit Dir

Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich

Komm nimm' meine Hand und geh' mit mir Atemlos.“

Wahre Poesie.

Björn Dunne hingegen sagte: "Hey, du Rettich". David Friedrich machte sich einen Reim darauf. Das Team Neurosenstolz war geboren.

Von da an waren die zwei ein Paar. Sie sahen, dass geteilte Verhaltensstörungen... immer noch Verhaltensstörungen sind, aber sie damit wenigstens nicht mehr alleine waren. Und so machten sie sich auf, bestärkten sich gegenseitig in ihren psychopathischen Zügen, gaben sich ihrem Zwang zum Wortspiel, zum Reim, zum anarchisch absurden Wortwitz hin, traten auf die Spoken-Word-Bühnen der gesamten Bundesrepublik, liessen ihren Neurosen freien Lauf, gewannen einen Team Poetry Slam nach dem anderen und versetzten das Publikum mal aufs mal in einen derart ekstatischen Jubel, dass das Volk auf und vor der Bühne aussah wie eine gigantische glückliche Verhaltensstörung.

April 2014 : Interrobang, Schweizer Poetry Slam Meist

Am kommenden Montag, 28. April steht das nächste Rauschdichten vor der Tür, wie gewohnt mit den Stammrauschdichtern Christoph Simon, Sam Hofacher und mir, Renato Kaiser. Diese erbärmliche Ansammlung aus Vize-, selbsternannten oder längst vergangenen Schweizer Meistern in den wohlverdienten Schatten stellen und vor Neid erblassen lassen werden die amtierenden Schweizer Poetry Slam Meister im Team-Wettbewerb, Manuel Diener aus Zürich und Valerio Moser aus Langenthal, besser bekannt als:

“Gopfertammi, was haisst jetzt da scho wider? Interrobang? Goots no? Immer das moderne englische huere Füdlizüügs he!” Das hat Christoph Simon gesagt - zumindest in meinem Traum. Darum sagte er es auch nicht auf Berndeutsch. Warum ich von einem Sanktgallerdeutsch sprechenden Christoph Simon träume (ja, regelmässig) soll hier aber nicht weiter Thema sein, sondern eben “Interrobang”. Unter diesem superfancy Namen haben sich nämlich die nicht weniger superfancy Slam Poeten Valerio Moser aus Langenthal und Manuel Diener aus Zürich zusammengetan. Aber was zur Hölle heisst das? “Interrobang” ist ein seltenes, im Deutschen nicht benutztes Nichtstandard-Satzzeichen. Weiss doch jeder! Auch Wikipedia! Ein Interrobang am Ende einer Frage soll zeigen, dass sie mit Nachdruck gestellt wird (zumeist, weil die implizierte Antwort dermassen unglaublich scheint) Zum Beispiel:

Sam Hofacher hat wirklich eine Freundin?!

Christoph Simon wäscht sich regelmässig?!

Renato Kaiser ist auch privat so huere läss?!

Ganz korrekt geschrieben ist das Zeichen dann, wenn das Ausrufe- und das Fragezeichen sich überlappen, nämlich so: ‽

Da dieses Symbol aber kaum genutzt wird, wird es eventuell hier nicht korrekt dargestellt. Wenn das so ist, müsst Ihr es Euch einfach vorstellen (also so wie Sam Hofacher seine Freundin).

Wie dem auch sei: Das Team Interrobang müsst Ihr Euch nicht vorstellen, denn Valerio Moser und Manuel Diener werden wahr- und leibhaftig vor Euch stehen und Euch all das um die Ohren ballern, wozu Team Slam Poetry imstande ist! Es wird geflüstert und geschrien, proklamiert und sinniert, gerappt und gebeatboxed, synchron, einzeln, mit- und gegeneinander gesprochen, kurz: All Eure Fragen und Wünsche werden mit Nachdruck beantwortet und erfüllt – wuchtig und voller Effekt, aber auch hintersinnig, schlau und mit viel Humor.

http://youtu.be/2OiNiIESQG8

Oder war es Würzburg? Oder Nürnberg? Ist doch alles einerlei! Spätestens seit dem Ja zur Masseineinwanderungsinitiative ist das da draussen sowieso alles Ausland. Ist ja auch einfacher. Bei all diesen fremden Ländern und Städten muss man sich ja schliesslich fast irren, oder kurz gesagt: Erasmus.

Das soll aber hier nicht Thema sein, sondern der wunderbare Christian Ritter! Aus Bamberg kommt er, in Würzburg moderiert er und in Nürnberg liebt man ihn. Das will aber nichts heissen, denn man liebt ihn überall! Und das völlig zu Recht. Seine Geschichten sind humorvoll, schlau, einfallsreich und euphorisieren geradezu mit ihrem horrenden Tempo, sowohl in der Schreibe als auch im Vortrag. Der begnadete Storyteller bringt das Slam-Publikum regelmässig in Ekstase, sich selbst ins Finale und seine Lippen häufig als erster an den jungfräulichen Hals des Siegerwhiskys (also, weil er gewinnt, nicht weil er ein ungeduldiger, unhöflicher, schlecht verlierender Säufer ist, wie alle anderen Slam-Poeten). Er gehört deswegen nicht nur unumstritten zur ersten Kaste des Poetry Slams (was auch immer das heissen soll), sondern auch in die tragisch-ehrenvollen Annalen der Vize-Champions von deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften (so geschehen nämlich bei den Nationals in Düsseldorf 2009).

Davon kann man sich natürlich nichts kaufen. Muss er aber auch nicht! Denn er schreibt Bücher! Davon kann man sich auch nichts kaufen? Stimmt eigentlich! Aber wenigstens hat er währenddessen nichts Dümmeres gemacht (beispielsweise keinem Schweizer das Geld, die Arbeit oder die Frau gestohlen) und die Welt wenigstens um einige schöne Buchtitel bereichert, die da zum Beispiel wären: "Moderne Paare teilen sich die Frauenarbeit" oder "Geschlechtsverkehr - Eine Einführung". Sein aktueller Roman "Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers" dreht sich um das spontane Kidnappen des Quiz-Overlords Günther Jauch und hat ihm nicht nur einen Vertrag mit dem Heyne-Verlag und eine Nominierung in die Shortlist für den "ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2013" (Buchmesse Leipzig) eingebracht, sondern auch ein hübsches kleines Skandälchen in der deutschen Boulevardpresse. Mehr zu alledem findet man in seinem ebenfalls äusserst unterhaltsamen Blog (http://christianritter.wordpress.com/).

Ich will ja nicht sagen, dass wir Rauschdichter die deutsche Boulevardpresse fleissig verfolgen (ausser Christoph Simon vielleicht, der alte Heimlifeiss), aber trotzdem kriegen wir schon ein bisschen feuchte Hände, wenn wir daran denken, endlich einmal eine richtige Skandalnudel willkommen heissen zu dürfen! Huiii! Das Musigbistrot wird vor geifernden Blick-Lesern und -journalisten überschäumen! Wir sind so aufgeregt! Aber vor allem hocherfreut, dass uns der in jeglicher Hinsicht ausgezeichnete Autor Christian Ritter mit seinen Geschichten beehrt.

Februar 2014

Hazel Brugger aus Dielsdorf

Hä? Was zur Hölle ist, an welchem Arsch der Welt liegt und wie zum Teufel verschlägt es einen nach Dielsdorf? Und wenn dieses Dielsdorf tatsächlich jemandem passiert, muss man in einer offiziellen Ankündigung wirklich noch so darauf rumreiten? Kann man dann nicht, zum Wohle aller, insbesondere der Betroffenen, einfach direkt Zürich schreiben? Um Hazel Brugger zwar dem geläufigen Zürich-Hohn auszusetzen, sie aber wenigstens von dem vorauseilenden Ruf der Provinzialität loszusagen?

Weit gefehlt! Erstens kommen wir doch alle aus irgendeinem Kuhdorf, sei es Goldach, Würenlos, Ostermundigen, St. Gallen oder Bern. Zweitens habe ich vor einem guten Jahr eine liebevolle musikalische Hommage an diesen  bezaubernden Ort geschrieben, unter dem Arbeitstitel "Gaggidieli". Drittens wohnt da Harry, mein zweitliebster Hund und Suslä, meine zweitliebste Mutter. Und viertens: Auch wenn Dielsdorf das hinterletzte, verdammte, kuhdungdurchtriebene Uzwil des Zürcher Unterlandes wäre, müsste man Hazel Brugger nicht davor schützen. Denn:

Man schützt nicht Hazel Brugger vor Dingen. Man schützt Dinge vor Hazel Brugger.

Da für uns Rauschdichter die Zuschauer jedoch nicht Dinge sind, sondern Menschen (oouuh yeah!), haben wir keinerlei Skrupel, die Dielsdorfer Literatursplittergranate auf euch loszulassen. Denn wenn sie auf der Bühne in indifferenter Ruhe explodiert, treibt sie jedem Zuschauer eine Scherbe ihrer messerscharfen Gedanken ins Hirn und ins Herz, auf dass er daran langsam und unerbittlich zu Grunde geht. Auf politisch korrektes Gendering habe ich hier mit Rücksicht auf die sprachliche Eleganz verzichtet, darum, falls Ihr Euch gefragt habt: Ja: selbstverständlich tötet Hazel Brugger auch Frauen.

Aber natürlich nur literarisch, liebe verschreckte Leser, und zudem höchst angenehm. Denn: Die abgefeuerten Spitzen bestehen aus steifgefrorenem Bananeneis, das in Euren Herzen langsam schmilzt, um dann den weichen Gianduja-Kern in Euren Organismus fliessen zu lassen.

Aber was soll das jetzt heissen? Dass Hazel Brugger Euch vernichtet? Ja. Dass Ihr es geniessen werdet? Zweifellos. Dass sie Euch wie ein Dessert verführen, penetrieren und danach glücklich und fett zurücklassen wird? Auf jeden Fall. Dass ich meine frivole Neigung zu Dessert untersuchen lassen sollte? Absolut! Aber das soll hier nicht Thema sein.

Sondern eben Hazel Brugger. Und nein, ich werde Euch nicht sagen, was sie schon alles erreicht hat, denn es ist zu viel und zu beschämend für uns alle. Aber ich erzähle Euch, was sie in Zukunft noch tun wird: Hazel Brugger wird den Sexismus zerstören, dann den Feminismus, und die daraus entstandene Masse aus geschlechts- und orientierungslosem Menschenmaterial mit einer Schubkarre ins Paradies stossen. Nebenbei wird sie in den nächsten fünf Jahren zwei Bücher geschrieben haben: Eine Untergrundbibel, die sich dann jeder NZZ-Feuilletonist unters Kopfkissen legen und von Zeit zu Zeit ablecken wird und einen Bestseller, der wenige Jahre darauf verfilmt werden wird. Eines davon wird heissen: "Der Sturm bin ich". Der Titel des anderen wird, wie das Buch selbst, in einer Sprache geschrieben sein, die Hazel Brugger noch erfinden wird.